
Sinnenlos
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Obwohl sich die Zusammensetzung der Theatergruppe nach der letzten Aufführung durch den Abgang vieler Abiturienten stark geändert hatte, wollten wir doch die Reihe der einerseits philosophischen und andererseits absurden Stücke fortführen. Allerdings ging es nicht darum, an dem Schlusswort des letzten Stückes: „sinnlos“ anzuknüpfen, auch wenn es auf den ersten Blick so aussehen mag. Es ging vielmehr darum, ein ganz neues Thema zu erschließen. Dennoch war der innerliche Bezug zu den beiden vorherigen Produktionen zweifellos gegeben. So beschäftigte sich das dritte Stück der Trilogie, nach der Willensfreiheit und unserer Sinngebung schließlich mit unserer Wahrnehmung. Dabei ging es natürlich auch um unser Weltbild und um das, was wir als Wahrheit empfinden. Wir richteten erstmal unsere Aufmerksamkeit auf die Störungen der Wahrnehmung, also auf die Blinden, die Tauben, die Gefühllosen. Doch diese Störungen treten überall auf, bei uns allen: mal offensichtlich, besonders wenn sie von der Normalität abweichen, oft aber unbemerkt, weil vieles für uns selbstverständlich erscheint. Diese Selbstverständlichkeiten stellten wir in diesem Stück in Frage. Das war sicher für die Zuschauer befremdend, verwirrend und der gewohnten Logik widersprechend. So war nicht nur der Ort des Geschehens, nämlich ein Kunstatelier, prädestiniert für merkwürdige Ereignisse, sondern auch die Personen des Stückes fielen aus dem üblichen Rahmen. Mancher wurde, wie von Sinnen… Es wurden viele Fragen der Abhängigkeit unseres Lebens von Wahrnehmung, von Bedingungen unserer Wahrnehmung, von Veränderung der Wahrnehmung durch Medien und die Beeinflussung unesres Weltbildes und unserer Gefühle durch die Wahrnehmung gestellt, aber auch die Leidenschaft der Wahrnehmung und schließlich der Verlust von Wahrnehmung bis hin zum Sterben wurden thematisiert
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Wir improvisierten zu den verschiedenen Wahrnehmungsstörungen, zu Blindheit, Taubheit und zu lapidaren Sätzen wie: Ich kann dich nicht riechen… Du hast keinen Geschmack… Da sagt mir mein Gefühl nichts…
Wir probierten aus: Kann es sein. dass man froh ist, nicht zu sehen, nicht zu hören? Aber wir befassten uns auch mit Wahrnehmungstäuschungen und mit medialer Wahrnehmung und machten Ausflüge in philosophische Gefilde bis hin zu Platons Höhlengleichnis. So entstanden auch selbstverfasste Texte und wir beschäftigten uns mit Handke und anderen Autoren, um Anregungen für die eigene Textproduktion zu erhalten.
Aber gleichzeitig stürzten wir uns mit großer Spiellaune auf alles mögliche Kriminalistische: Auf Morden, Verfolgen, Täuschen, Aufklären… Und auf das Fabulieren von realen und absurden Geschichten. Gleichzeitig ließen wir uns faszinieren von Theatralischem wie Feuer ….
Da es lange Zeit für uns schwierig war, Termine zu finden, an denen alle spielen konnten, war es um so wichtiger, zusammen in die Eifel zu fahren, um das erstellte und erspielte Material zu einem Stück zusammen zu führen. Die Atmosphäre dort tat das ihre und so ließen uns Spielfreude und Einfallsreichtum nicht im Stich: es entstand eine ungewöhnliche Geschichte, die absurd erschien, und doch einen inneren Zusammenhang hatte.
Eine ganz besondere Rolle spielte die Musik: Auf der einen Seite war die Band, wie schon in dem letzten Stück, Teil des Bühnenbildes und der Akteure, andererseits trugen viele Schauspieler ihre Monologe in einer Art Sprechgesang vor, um das Artifizielle der einzelnen Situationen zu betonen.
Schließlich stand die Aufführung vor der Tür, und bei aller gewohnten Hektik machte der gesundheitliche Zustand der Schauspieler leider erhebliche Sorgen. Die Premiere klappte wunderbar, auch die wie immer nicht ganz einfache Vormittagsaufführung lief gut, doch als wir dann dachten die 3.Aufführung voll genießen zu können, erreichte uns 2 Stunden vor der Aufführung die Nachricht, dass ein Schauspieler ausfiel. So blieb mir nichts anderes übrig, als schnell einzuspringen, zu proben zu lernen, zu schwitzen und dann doch zu genießen. Der Applaus war dann doppelt so schön…
Roland Eschner
Wir sehen viel, doch wir wissen wenig
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Personen und ihre Darsteller
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Nur höchstens 4% des Universums für die menschlichen Sinne wahrnehmbar?
Das Standardmodell der Kosmologie, das Lambda-CDM-Modell ergibt in der Zusammenfassung verschiedener Ergebnisse der beobachtenden Kosmologie folgende Zusammensetzung des Universums: Etwa 73 Prozent Dunkler Energie, 23 Prozent Dunkler Materie, rund 4 Prozent „gewöhnlicher Materie“ (z. B. Atome) und 0,3 Prozent Neutrinos. Die „gewöhnliche Materie“ unterteilt sich dabei in selbstleuchtende (wie Sonnen) und nicht selbstleuchtende Komponenten (wie Planeten). Der Anteil der selbstleuchtenden Komponenten nimmt dabei nur etwa 1/10 der „gewöhnlichen Materie“ ein.
(aus: www.wikipedia.org/wiki/Dunkle_Materie)
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Text-Splitter aus dem Stück:
Augen weit offenZerschnitten durch den WimpernschlagBegierig nach Sichtbarem
Hören ist Lust und Pein
Fast brauche ich meine Augen nur, um Bilder zu sehenDie Fotos erfassen alles viel schärferSie können gar nicht so viel sehen,
Wir werden gespürt
Sie wollen es gar nicht sehen, sie brauchen Ihre Illusion
Ich schaue auch nicht hin
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Der Empfänger entscheidet welche Signale er Aufnimmt. Und so empfange ich, was ich will Und ich sende, was sie empfangen wollen. Bis Die Rolle des Entscheidens und die Macht Mein ist.
So viel, so viel.. so viel Schönheit
Niemand schaut mir zu
Draußen schlagen die Herzen nicht mehr
Das Feuer berühren, zu spüren |
