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Programm zu Little John

zu den Fotos von den Aufführungen am 23.3.2010 und 24.3.2010

 

Little John im Sumpf

 

Ein theatralischer Versuch zum Internet

Das Internet, seine Möglichkeiten und seine Schwierigkeiten, theatralisch darzustellen ist ein problematisches Unterfangen. Die Medien Bühne und Computer sind äußerst unterschiedlich. Allerdings ging es uns auch nicht darum, dieses Medium auf die Bühne zu bringen, sondern auf der einen Seite Aspekte der speziellen Verständigung, die mit diesem Medium stattfindet, anzusprechen und zum andern die Gefühle auszudrücken, die mit dieser neuen Art der Kommunikation ausgelöst werden. Verändern wir uns und unsern sozialen Umgang durch den Gebrauch des Internets oder werden wir verändert? Wie stark können wir in diesen Prozess der Entwicklung eingreifen?

Unser erster Ansatz, um virtuelle Personen darzustellen, war, Puppen und Marionetten zu benutzen, sowohl extra angefertigte, als auch vorhandene. Was passiert mit dem Spieler in dem Moment, in dem er scheinbar zurücktritt und eine Puppe für ihn das Handeln übernimmt? Ein ähnlicher Prozess findet statt, wenn man im Chatroom eventuell unter einem Pseudonym mit anderen Kontakt aufnimmt.

Wir versuchten aber auch, die imaginären Menschen durch einen zweiten oder auch dritten Schauspieler darzustellen. Interessant war dann das Verhältnis der Autoren zu ihrem „Alter Ego“ zu ihrem zweiten Ich. Nun bekam diese Figur ein Eigenleben, das sich auch in Kontroversen zu seinem Urheber auswirken konnte. Das erscheint auf den ersten Blick vielleicht weit hergeholt, wer streitet sich schon mit einer von ihm ins Internet gesetzten Figur. Tatsächlich entwickeln aber Internetfiguren und auch viele ins Internet gesetzten Behauptungen ein Eigenleben, die sich schnell aus der Kontrolle des Urhebers entfernen. Gerüchte, die durch die neue Form des Mediums sich noch schneller verbreiten als das früher möglich war, sind in Sekundenschnelle weit verbreitet. Fälschungen oder nur ironisch gemeinte Bemerkungen werden als Tatsachen akzeptiert und werden, ehe man es sich versieht, zu neuen Tatsachen.

Wir sind mit diesem Themenkreis sehr assoziativ umgegangen. Auf der Theaterfahrt in Gummersbach stellten wir eine Projektionsfläche auf und spielten mit Marionetten, Schattenspiel, Kamera und Beamer, das Ganze zu improvisierter Musik, und hatten großen Spaß an den Bildern und der Atmosphäre, die sich langsam entwickelte.

Immer wieder diskutierten wir dann über verschiedene Aspekte. Wie frei ist man im Internet, wie schädlich ist die Datensammlung und das Datenprofil, das Andere über einen erstellen können. Projektionen, verschiedene Darstellungsebenen, Vielschichtigkeit, das Alles nahm einen immer wichtigeren Platz ein. Texte wurden sehr reduziert, wurden, wie auch z.T. in der im Internet entwickelten und gepflegten Sprache, immer mehr zu Kürzeln, die dann auch in die Musik übertragen wurden. Und plötzlich waren die kurzen Tonfolgen der Musik die Impulse für das Handeln der Personen.

Obwohl wir auch immer mehr Technik in das Stück einbauten, so sollten die handelnden Personen doch das Rückrat des Stückes bleiben. Allerdings sind diese Personen nur Typen, die für die Internetwelt mit ihren Usern stehen, die wie das „kleine Hänschen“, wie „little John“ hinaus in die Welt gehen („Stock und Hut steht ihm gut…“), in einen Sumpf geraten, der unheimlich sein kann, sich aber auch zu einem Netz entwickeln kann, das durchaus interessant sein kann und einem Halt geben kann. So geht es „little John“ vielleicht recht gut („…ist gar wohlgemut“), und ob es dann so konservativ weiter geht wie in dem Lied, („doch die Mutter weinet sehr, hat ja nun kein Hänschen mehr. Da besinnt sich das Kind, kehrt zurück geschwind“) bleibt abzuwarten oder besser gesagt: Kann zumindest in bestimmten Grenzen jeder selbst gestalten.

 

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Zeichnungen der Klasse 6a zum Thema: Im Chatroom

Zur Entstehung des Stückes:

Ausprobieren, experimentieren: Dabei weiß man nie, was letztendlich das Ergebnis sein wird. Diesmal war es besonders ungewiss: Im ersten Schulhalbjahr improvisierten wir wöchentlich zum Thema „virtuelle Personen im Internet, Imagebildung durch den Computer“, allerdings fast jedes Mal in einer anderen Besetzung: Schwierigkeiten einen Termin zu finden, Krankheiten (Schweinegrippe), Klausuren, Klassenfahrten, Teilnahme an anderen Theaterstücken, - es gab viele Gründe, die dazu führten, dass kontinuierliches Erarbeiten eines Stückes nicht möglich war. Aber wir hatten viele Proben, in denen wir uns auf unterschiedlichste Weise dem Thema näherten, und jede Probe war für sich genommen ein Erfolg und machte viel Spaß. Der Termin der geplanten Aufführung rückte näher, ohne dass sich eine klare Lösung abzeichnete. Wir versuchten es leicht zu nehmen und beschlossen, die anvisierte Theaterfahrt durchzuführen, mit dem Risiko, am Ende zumindest dieses Schuljahr keine Aufführung auf die Beine zu stellen. Wenn wir etwas vorzeigbares erarbeiten würden, um so besser. Auch wenn selbst bei der Theaterfahrt manches dazwischen kam: die Fahrt nach Gummersbach wurde ein voller Erfolg. Für viele war das experimentelle Arbeiten sehr ungewohnt, die Musiker wurden unvorhergesehen in die Theaterarbeit miteinbezogen. Schöne Bilder, interessante Szenen und wunderbare Musikstücke entstanden, die nächtlichen Proben wurden immer länger und irgendwie fügte sich das Ganze zusammen, bekam eine Form, die wir alle vorher nicht erwartet hätten. Und dann wieder diese und jene Idee, die unbedingt einfließen sollte, und wieder musste manches umgestellt werden… Wir hatten tatsächlich am Ende ein Stück, von dem wir meinten, wir sollten es zeigen. Mit einem Stück, das sich zwar auch rational, viel mehr aber mit Bildern, Musik, Gesten und Atmosphäre mit dem beschäftigt, was in den letzten Jahren mehr und mehr unser Leben prägt: der Computer und das Internet. Viele Aspekte werden angerissen, Problematiken aufgezeigt, allerdings können und wollen wir nicht mit einfachen Antworten oder Handlungsanweisungen dienen. Wenn es uns gelingt, zum Weiterdenken anzuregen, sind wir schon sehr zufrieden. Und wenn das Publikum dabei noch gut unterhalten wird – um so besser.

Vielleicht ist das Stück auch erst ein Anfang, und wir bleiben bei dem Thema und führen es weiter, eventuell auch mit weiteren neuen Mitspielern, verarbeiten die Reaktionen, suchen neue Aufführungsorte und probieren und experimentieren…

 

 

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Tam-Tam

Die Spieler

Rebecca Anders

Marian Bongardt

Fiona Gölden

Yasmin Janclaes

Hanno Kirschbaum

Johanna Labudda

Anna Urgulu

Die Musiker

Max Knoblauch

Emil Mosner

Felix Prybilski

Felix Wiesen

Der Techniker

Florian Wiesen

Leitung

Roland Eschner

Maike Hartmann

 

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- or is it just a fake