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2008 Festival in Turin

Die Theatergruppe der Theatermedienklassen „Somnambul“ ist nach ihrem Erfolg mit „Orlando“ und „Augen blicken“ im letzten Jahr auf dem Festival “lingue in szene” in Turin eingeladen worden, dieses Jahr noch einmal an diesem Theatertreffen teilzunehmen. Alle Gruppen, die aus verschiedenen Ländern wie Spanien Frankreich Polen u.a. kommen, sollten dort „Don Giovanni“ von da Ponte jeweils in ihrer Muttersprache spielen.

Die Aufgabe erwies sich als nicht einfach: Das Original breitet die Problematik in 3 Stunden aus, unsere Vorgabe war es jedoch, eine Fassung zu entwickeln, die nicht länger als 30 Minuten dauert, aber dennoch alle wichtigen Szenen enthält. Dazu setzt die großartige Musik von Wolfgang Amadeus Mozart einen Maßstab, mit dem man sich natürlich nicht messen kann. Wir mussten uns also einerseits an die Vorlage halten (den Text übernahmen wir zum größten Teil direkt aus dem Libretto), andererseits jedoch möglichst eine eigenständige neue Geschichte entwickeln.

Da unsere Gruppe nur aus jungen Frauen bestand, hatten wir uns entschlossen, einen weiblichen Don Giovanni in der Gegenwart zu kreieren: „Donna Giovanna“ behandelt Schwierigkeiten der Emanzipation von Frauen heute, so wie der originale Don Juan / Don Giovanni Probleme des Individualismus im Mittelalter thematisiert. Donna Giovanna agierte also auch ohne moralische Rücksichtnahme und hatte nur ihre eigenen Interessen im Blick. Sie verführte, betrog, tötete und provozierte. Der Schauplatz war ein Büro mit seiner eigenen Struktur und Atmosphäre – einschließlich einer typischen Betriebsfeier.

Da es sich bei dem Theatertreffen um ein Festival der verschiedenen Sprachen handelte, waren alle Gruppen aufgefordert, ein weiteres Stück in einer für sie fremden Sprache aufzuführen.

Wir entschlossen uns, ein Stück selbst zu entwickeln. Nachdem wir uns mit der Figur des Kaspar Hauser beschäftigt hatten, aber auch mit dem Problemfeld Zähmung und Wildheit, kristallisierte sich mehr und mehr das Thema Hexe heraus.

Unsere Szenencollage „Zuinrithe - Zaunreiterin“ zeigte unterschiedliche Aspekte von Wildheit im Gegensatz zu Zivilisation: Balancieren auf Grenzlinien – aber was passiert, wenn man das Gleichgewicht verliert und das Unbekannte und Grenzenlose einen umfängt. Bei der Untersuchung dieses Themas halfen uns Assoziationen zur Figur der Hexe weiter. Vergangene und heutige Aspekte des Anders-sein und das Gleichgewicht zwischen Wirklichkeit und irrealer Welt waren Gegenstände unserer Improvisation. Sprache wurde dabei sowohl zur Selbstvergewisserung des eigenen Zustandes und dem Versuch sich zu orientieren eingesetzt, aber dann auch instrumentalisiert zu Beschwörungen (aus Shakespeare: „Macbeth“), aber auch zur Diffamierung anderer (verschiedene Hexenbeschimpfungen aus unterschiedlichen Sprachen).

Die Gruppe Somnambul war ja schon durch die Theaterarbeit und Fahrt 2007 zusammengewachsen, so dass das Spielen und Experimentieren ein besonderes Vergnügen war, was nicht heißt, dass es zwischendurch besonders beim eigenen Stück zu inhaltlichen Schwierigkeiten kam. Der Versuch, mit einer TMK-Videofilmgruppe zusammen zu arbeiten scheiterte auch daran, und wie öfters bei kreativen Prozessen waren wir der Verzweiflung manchmal ganz schön nahe. Aber nicht zuletzt der unbedingte Einsatzwille der Gruppe führte dann gerade beim Hexenstück zu einem Ergebnis, das uns selbst überraschte. Wir verwickelten uns in viele Rollen Kreppklebeband und plötzlich entwickelte sich ein wunderbares Bühnenbild.

Die gemeinsame Theaterarbeit in Turin war, wie schon im letzten Jahr, der Höhepunkt eines faszinierenden Projekts, das zeigte, welche tollen Früchte die Theater-Medien-Klassen tragen können.