Die 4-beinige Krähe wird "Kaguyahime, die Mondprinzessin"

am 21.5. um  17.00 beim 4th International Meeting of Children's Theatre "Hollawind" in Brixen (weiteres hier)

und am 21. Juni 2010 - 16:00 auf dem Weltkindertheaterfest in Lingenals offiziellen Beitrag für Deutschland (weiteres hier)

aufführen

 

hier gehts zu Fotos von der Aufführung am 4.11.2009 im Kulturforum

 

kraehepuppe

Zur Erzählung

Die Taketori Monogatari ist die älteste überlieferte romanhafte Erzählung der japanischen Literatur. Vermutlich wurde sie im späten 9. oder frühen 10. Jahrhundert von einem unbekannten Autor niedergeschrieben und ist uns in vielen Varianten bis heute erhalten geblieben. Neben typisch japanischen Motiven lassen sich auch einige Motive aus europäischen Volksmärchen und Legenden finden: das wundersamen Findelkind, das Glück und Reichtum bringt, eine überirdische Prinzessin, die wieder verschwindet, Rätsel tauchen auf, deren Lösung Heirat verspricht. Es zeigen sich aber auch Symbole, die neben japanischen auf indische und chinesische Quellen zurückzuführen sind und bis heute ihre Bedeutung behalten haben. 

Die Mondprinzessin Kaguya Hime wird auf die Erde schickt, um ein nicht näher erläutertes Vergehen zu sühnen. Sie wird in kurzer Zeit erwachsen und von allen jungen Männern begehrt. In diese Rahmenhandlung sind fünf Episoden eingebettet: Fünf adelige Herrn, angelockt durch die alles überstrahlende Schönheit der Prinzessin, werben um sie. Kaguya Hime verlangt von den Freiern fünf Gegenstände: eine steinerne Schale, einen goldenen Zweig, ein unbrennbares Gewand, einen vielfarbig schimmernden Edelstein aus dem Auge des Drachens und eine Schale der Kaurischnecke. Alle fünf Episoden zeigen charakteristische Unterschiede: jeder der fünf Freier verhält sich anders, jeder scheitert aus einem anderen Grund, und bei allen reagiert die Mondfee verschieden. Die gestellten Aufgaben sind Fallen. Die Prinzessin möchte von den Freiern, die stellvertretend für alle Menschen stehen, erfahren, ob Menschen überhaupt Charakter besitzen. Die Freier merken nicht, was Kaguya Hime bezweckt. In ihrer Unwissenheit handeln sie so, wie Menschen in derartigen Situationen eben handeln: sie beweisen durch ihre Taten, dass sie eher den leichteren Weg wählen, um an ihr Ziel zu gelangen. Sie können die hohen Ansprüche der Prinzessin nicht erfüllen. 

Nach den fünf Episoden erfahren wir, dass auch der Kaiser, sich der Ausstrahlung Kaguya Himes nicht entziehen kann. Er verliebt sich in sie und möchte sie heiraten. Sie offenbart ihm das Geheimnis ihrer außerirdischen Herkunft. Da sie sich aber auch in ihn verliebt hatte, bietet sie ihm als Geschenk, vielleicht auch als Trost, die Speise der Unsterblichkeit, die er allerdings ablehnt. In dem Schlussgedicht des Kaisers ist ein Bekenntnis zu dem Glauben, dass Liebe - wörtlich heißt es: Sich-Begegnen - nur da möglich ist, wo es Tränen gibt. Kaguya Hime aber hatte von jenen himmlischen Ort gesagt, dass es in ihrer Welt nichts zu wünschen, nichts zu lieben, nichts zu leiden gebe. Liebe, wie sie im Bewusstsein der Flüchtigkeit des Lebens zu einer kurzen, aber schönen Blüte erblühen kann, ist an das irdische Dasein gebunden. Das ist der Grundgedanke dieser Erzählung.

 

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Zu unserem Stück

Angeregt durch die Geschichte von der Mondprinzessin und dem Bambussammler haben wir ein Stück entwickelt, das Struktur und wesentliche Elemente der Vorlage aufnimmt, nicht aber Ablauf und Dialog kopiert. Ebenso wenig wollen und können wir auf die verfeinerte japanische Kultur mit ihrer Vielzahl von Symbolen eingehen, die sich uns nur sehr schwer erschließt. Japan als einen die Phantasie anregenden Ort war unser Ausgangspunkt, schien uns angemessen, inspirierte uns. Je länger wir uns allerdings mit dieser Erzählung beschäftigten, desto verständlicher und damit reizvoller entwickelte sich der Inhalt. Fasziniert waren wir von der Durchdringung realistischer und übernatürlicher Elemente, die in der Wechselwirkung von Erde und Mond spürbar wurden. Die wunderbare Vereinfachung und Reduktion auf das Wesentliche in dieser Erzählung lässt sich im Jugendtheater kaum erreichen, schien uns aber in der theatralen Umsetzung anstrebenswert. Unter dem sich ergänzenden Einsatz von Text und Bild, Tanz und Musik, Theaterspiel und Schattenspiel, auch Mittel des Figurentheaters setzen wir ein, lassen wir einen Kontext entstehen, in den der Zuschauer eigene Sehweisen und Erlebnisse einbringen kann.

Von besonderer Bedeutung ist, wie in all unseren Stücken, die Musik. Mit einfachen, ostasiatisch anmutenden Klängen ohne aufwendiges Instrumentarium, versuchen wir eine Atmosphäre zu schaffen, die den Zuschauer entschweben lässt. Die Musik setzt Kontrapunkte, vermittelt, trennt, interpretiert; sie kann Hintergrund, aber auchVordergrund sein, wie für unser Stück gewünscht.Ebenso wichtig sind die Kostüm und Bühne. Es wird keine japanische Folklore angestrebt; die Gestaltung soll einfach und funktional sein, in ihrer Wirkung aber Akzente setzen, Stilbrüche nicht ausgeschlossen.

Es spielen und tanzen acht Jugendliche im Alter von 10 - 13 Jahren. Davon besuchen einige Schülerinnen und Schüler die Theater-Medien-Klassen des Albertus-Magnus-Gymnasiums und bringen trotz ihres Alters schon eine gewisse 

Theatererfahrung mit. Die andere Gruppe sind Schülerinnen einer Tanzklasse der Kölner Rheinischen Musikschule, die dort seit zwei Jahren unterrichtet werden. Durch das Zusammenspiel dieser beiden Gruppen ergibt sich eine farbige Vielfalt im Ausdruck, die sich, so hoffen wir, auch dem Zuschauer mitteilt.