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Am Montag, 28. November 2016 haben wir - die Klassen 5a und 5b - im Theater CASAMAX das Theaterstück „Mondkalb und Bachwiesel“ ( http://www.casamax-theater.de/2013/07/mondkalb-und-bachwiesel-ab-8-jahren-nur-mit-vorbestellung/ ) besucht. Es ist ein komischer Name für ein Theaterstück, aber er ist sehr fantasievoll und ist Teil des kleinen Gedichtes „Das ästhetische Wiesel“ von Christian Morgenstern, das eine besondere Rolle in dem Theaterstück spielte.

 

Als wir im Theater ankamen, wurden wir erst einmal in einen Begrüßungsraum gebracht. Hier durften wir unsere Jacken und sonstige Sachen ablegen. Dann wurden wir in den Theatersaal geleitet, obwohl man ihn kaum Saal nennen konnte, denn er war klein aber gemütlich. Es gab nicht so viele Bänke, deshalb mussten wir ein wenig zusammenrücken. Als es dann leise wurde, begann das Stück.

Auf der Bühne standen nur zwei Schauspielerinnen. Die eine spielte zunächst eine alte Frau, die aufgrund ihres hohen Alters von 87 Jahren im Rollstuhl saß, und die andere stellte anfänglich ihre Pflegerin dar. Mit einem Kinderfoto ihres ersten Schultages und der Ankündigung, dass sie Gedichte über alles liebe, nahm sie uns dann mit in ihre viele Jahrzehnte zurückliegende Kindheit und Jugend, indem sie und ihre Pflegerin die Rollen von Mutter und Tochter übernahmen. Auf diese Weise führten sie uns einzelne lustige Lebensepisoden vor Augen: Schulstress, Streit und Versöhnung mit der Mutter, alltägliche Frechheiten und Späße, die mit strengen Erziehungsmaßnahmen beantwortet wurden, Feierlichkeiten wie Sankt Martin oder das Spiel mit einem kleinen Hund. Aber auch ernste und traurige Lebensbilder der Hauptfigur zogen an uns vorbei, wie etwa die Darstellung des Zweiten Weltkrieges. Dazu wurde es etwas dunkler im Raum und man hörte Geräusche von Schüssen und Schreien, wodurch uns klar wurde, dass es eine furchteinflößende Zeit für die Menschen gewesen sein muss. Danach führten sie eine Szene aus den 1960´er-Jahren vor, wo sie auf dem Tisch zu einem Song der Beatles tanzten und ihr Leben nach den traumatischen Kriegsjahren wieder genießen konnten.

Das Tolle und Fantasievolle - aber vielleicht für einige Mitschüler auch das Langweilige - war, dass der gesamte Rollentext der beiden Schauspielerinnen aus Versen, Gedichten und Liedern bestand, mit denen nun die Lebensgeschichte der alten Frau dargestellt wurde. Diese Gedichte stammten überwiegend von bekannten Dichtern wie Matthias Claudius („Der Mond ist aufgegangen“), Ernst Jandl („Ottos Mops“) oder Joachim Ringelnatz („Lampe und Spiegel“) und zwei von ihnen hatten wir vorher schon im Musik- und Deutschunterricht selbst gelernt und in kleinen Theaterszenen gestaltet. Daher war es interessant, eine etwas andere Version ihrer möglichen Theater-Darstellung zu sehen, obwohl es auch witzig war, dass wir vorher in der Schule schon ähnliche Bewegungen und Betonungen verwendet hatten. Andere Verse (Abzählverse und Lieder) kannten wir aber auch schon aus der Grundschule. In einigen Szenen sangen und musizierten die beiden Figuren auch zweistimmig miteinander, um verschiedene Stimmungen darzustellen, wobei die eine Klarinette und die andere Geige spielte.

Es war erstaunlich und auch faszinierend zu sehen, wie zwei Schauspielerinnen immer in andere Rollen schlüpften. Manchmal hatte man wirklich das Gefühl, es stünden immer wieder andere Schauspieler auf der Bühne – so lebendig verkörperten die beiden ihre allmählich älter werdenden Figuren, bis schließlich wieder die alte Frau im Rollstuhl und ihre Pflegerin vor uns standen und die Erzählung von ihrer Lebensgeschichte in Gedichten beendeten.

Bei einigen der dargebotenen Gedichte hatten wir nicht unbedingt erkennen können, in welchem Zusammenhang sie mit der Geschichte des Stückes standen. Die Theaterpädagogin des CASAMAX-Theaters, Frau Lutz, die uns drei Tage später im Deutschunterricht besuchte, erklärte, dass es auch schwierig gewesen sei, eine Geschichte vollständig in Versen zu erzählen. Daher gäbe es auch ein paar Gedichte, die nur zeigen sollten, wie man in jedem Alter mit Sprache spielen und Freude an Gedichten und Reimen haben kann – ganz so, wie Christian Morgenstern in seinem Gedicht „Das ästhetische Wiesel“:

Ein Wiesel

Saß auf einem Kiesel

inmitten Bachgeriesel.

Wißt ihr weshalb?

Das Mondkalb

verriet es mir

im Stillen:

das raffinier-

te Tier

tat's um des Reimes willen.

Dies konnten wir selbst dann zusammen mit Frau Lutz in einem einstündigen Workshop auch noch einmal ausprobieren. Dabei durften wir zunächst unsere Spielszenen zum Ringelnatz-Gedicht „Lampe und Spiegel“ vorführen, was uns sehr stolz machte. Danach rappten, deklamierten und alberten wir mit Versen aus dem kuriosen Gedicht „Dunkel war`s, der Mond schien helle“ eines unbekannten Autors, indem wir unsere Stimmen mal verstellten, mal das Sprechtempo veränderten oder ein anderes Mal mit verschiedenen Stimmungen experimentierten.

Im Großen und Ganzen war das Theaterstück also sehr interessant und erlebnisreich für uns und auch der Workshop hat uns großen Spaß bereitet. Vielen Dank!

Rosa Dopstadt (5b)